Volontierarbeit im Tsunamigebiet

Posted by on 24 July 2011
Vor zwei Monaten habe ich mich bei NTA für die Volunteer-Arbeit im Tsunamigebiet angemeldet.

Das wahre Ausmass der Naturkatastrophe vom 11. März dieses Jahres im nördöstlichen Japan blieb mir trotz vielen Nachrichten, Videos und Bilder bis zum Tag der Ankunft in Ishinomaki verborgen. Wie ein Kirschbaum, dessen Blüten vom Winde verweht, erlosch beim Anblick dieser Gegend meine Hoffnung, dass die Überlebenden an ihrer vergangenen Existenz wieder anknüpfen können. Selbst in Nagatsuchiura, einem Ort der mehrere Kilometer vom Meer entfernt ist, wurden ganze Häuser zerstört und weggeschwemmt. Ein trauriger Anblick! Autos, Schiffe, Motorräder und Dächer lagen noch überall herum, als ob ein böser Riese seiner Zerstörungswut freien lauf gelassen hätte.

Die Aufräumarbeiten werden mit vielen freiwilligen Helfern koordiniert durchgeführt. Selbst Fotos, Briefe und andere persönliche Gegenstände, die noch zum Vorschein kommen, werden gereinigt, registriert und in Turnhallen deponiert, wo die Überlebenden jeweils nach ihren Sachen suchen können. Ich bin zutiefst beeindruckt, mit wie viel Respekt und Einsatz diese zeitintensiven Arbeiten erledigt werden. Einem Land, mit Menschen die es verstehen in einer solchen Situation selbstlos zu denken, wird es immer gelingen aus einer Krise zu finden.

Auch nur mit diesem Kurzeinsatz, war es ein gutes Gefühl eine kleine Hilfe geleistet zu haben. Müde aber zufrieden verabschiedeten wir uns nach vier Tagen und fuhren wieder nach Tokyo zurück. In der U-Bahn sitzend auf dem Weg zum Hotel, liess ich die letzten Tage Revue passieren, mit der Überzeugung, dass auch an diesem Ort, wo wir gearbeitet haben, in einem Jahr wieder Menschen leben werden. In meinen Gedanken entstand bereits die Idee, Nagatsuchiura in einem Jahr wieder zu besuchen.

Spät in der Nacht im Hotel angekommen, fragte mich die Dame an der Rezeption, “can I help you”?

Thomas Köhler